Kleine Kirchweih, große Leistung

Modellbau-Ausstellung 2018

Hier muss man schon zweimal hinschauen, um zu erkennen, dass man nicht auf einen echten Freefall-Tower blickt: Die zerzausten Frisuren der Fahrgäste wirken täuschend echt, aber die Bank und Kisten im Hintergrund verraten, dass es sich beim "Swiss Tower" von Christoph Kälin aus Einsiedel bei Zürich um ein Modell handelt. Nur wenige Tage erfreuen die Kunstwerke der Modellbauer die Besucher - darin steckt jedoch jahrelange Arbeit und eine wahre Passion. Wer hier bastelt, lötet und Steuerungen programmiert, ist in aller Regel selbst ein Kirchweihfan.

Christoph Kälin - von Beruf LKW-Fahrer - hat mit seinen Schweizer Kollegen heuer das größte oder zumindest höchste Bauwerk beigesteuert und war damit ein Jahr lang täglich mindestens eine Stunde beschäftigt. Rund 5,5 Meter misst der Turm und erweist damit dem Original mit seinen 80 Metern Höhe gebührende Ehre. Per Fernsteuerung lässt sich das Rondell mit den Fahrgastsitzen nach oben bewegen, und wie im wahren Leben kann es von dort auch fallen gelassen werden. Dank der ausgeklügelten Konstruktion haben die Modellbauer nur rund 3 Stunden Aufbauzeit  gebraucht, um den Tower auf der Ausstellung in Fürth zu installieren. Das kann manchmal durchaus deutlich länger dauern, etwa wenn sich Lötstellen gelöst haben.

Von der Michaelis-Kirchweih ist Kälin, der Fürth zum ersten Mal besucht, ziemlich begeistert: "Dass sich das mitten in der Stadt abspielt, ist super. Bei uns gibt es zwar ähnliche Feste, aber eben nicht in der Innenstadt." Bei einem Modellbau-Event in Friedrichshafen hatte er letztes Jahr Thomas Peter, einen der Initiatoren der Fürther Ausstellung, kennen gelernt, und sich schnell selbst zur Teilnahme 2018 entschlossen.

Viel Zeit für Rundgänge über die Fürther Kirchweih bleibt den Modellbauern ohnehin nicht - das erzählt Danny Enzenross aus Bremen, mit 17 Jahren der Jüngste unter den Ausstellern. Er baut mit Legosteinen und ist, laut eigener Aussage, in Folge seiner Leidenschaft für Volksfeste und Fahrgeschäfte bei dem zeitintensiven Hobby gelandet. Mangels Führerschein reiste er per Bahn nach Fürth und hatte all seine in kleine Einheiten zerlegten Exponate auf einer Sackkarre im Gepäck - das sind immerhin ein Riesenrad, ein "Break Dance" mit Gondeln, die wie das Original in alle Richtungen rotieren, und einige mehr. Er wurde von Ausstellerkollegen abgeholt und baute dann rund 10 Stunden lang auf.

Begeisterung ist auch bei Frank Müller deutlich zu spüren. "Jetzt wieder einsteigen, jetzt wieder dabei sein..." Er moderiert die nächste Fahrt seines kleinformatigen "Musik-Express" übers Mikrofon so an, dass man sich fragt: Hat der Mann etwa schon selbst im Fahrkarten-Häuschen gesessen und die Tickets verkauft? Er hat. Und das Original des "Musik-Express" auch selbst mit aufgebaut. Mit der Schaustellerfamilie Müller, die das Fahrgeschäft betreibt, ist er verwandt. Kein Wunder, dass die Präsentation seiner Modelle so authentisch und lebendig wirkt. Den Autoscooter optimiert er momentan noch - erst zwei der Wägelchen fahren entlang der elektromagnetisch vorgegebenen Bahnen, aber die anderen sind in Arbeit.

Auf der Tour durch die Ausstellung sind viele alte Bekannte von der Fürther Kirchweih zu sehen - der Wellenflieger ebenso wie das "Break Dance" in mehreren Versionen, Riesenräder und Autoscooter in allen Größen, die Familienachterbahn "Wilde Maus" und voll bewegliche Schiffschaukeln. Dabei bedeuten 18.000 LED-Lämpchen mit elektronisch gesteuertem Farbwechsel, der dem Original sehr nahe kommt, nicht nur 18.000 Lötstellen, sondern auch einige Programmierarbeit, wie uns Christoph Ritschel erklärt.

 

Neben den liebevollen Details der Fahrgeschäfte ist eines unübersehbar: Zwischen den Mini-Attraktionen aller Aussteller tummelt sich das nachgebildete Gewusel der Besucherströme. Ohne sie wäre jede Kirchweih, ob groß oder klein, ja nur Kulisse. Bei der Szene auf unserem Foto gehen wir davon aus, dass die Michaelis-Kirchweih dafür Modell stehen durfte - hier liegt ein Einzelner flach, auf dem Münchner Oktoberfest wären wohl schon mehr Leute umgefallen.

Aufmerksame Besucher der Ausstellung können an einem Bildersuchspiel teilnehmen, das vor allem für echte Modellbau-Fans interessant sein sollte  - oder für Menschen, die noch das nächste Weihnachtsgeschenk für Enkelin oder Enkel suchen, denn es gibt hochwertige Modelle von Fahrgeschäften zu gewinnen. Der Flyer für die Teilnahme liegt bei den Exponaten aus.

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 7.10., im Zelt zwischen Stadttheater und (ex-) City Center zu sehen, Öffnungszeiten und alle weiteren Infos finden Sie auf dieser Seite. Der Eintritt ist kostenlos, aber die Veranstalter freuen sich über freiwillige Spenden.