Zu Besuch bei Michael Drliczek und dem Riesenrad Orion II

Die Schausteller-Familie Drliczek ist ein fester Bestandteil der Michaelis-Kirchweih. Ohne sie müsste Fürth auf das Riesenrad, das Kettenkarussell "Volare" und die Creperie verzichten. Das geht doch nicht? Dachten wir uns auch, und so haben wir Michael Drliczek auf der Fürther Kirchweih besucht. Wir wollten wissen, wie man in einer Schausteller-Familie aufwächst, wie ein Riesenrad entsteht und was Herrn Drliczeks persönliche Highlights auf der Kirchweih sind.

Hallo Herr Drliczek! Sie führen eine alte und stolze Familientradition fort. Haben Sie diese Entscheidung damals bewusst getroffen?

Wie es in den meisten Schausteller-Familien eben ist, bin ich ins Schausteller-Leben reingeboren und damit aufgewachsen. Von Kindesbeinen an habe ich das Geschäft kennengelernt. Irgendwann musste ich mir die Frage stellen: Steigst du ins Familiengeschäft ein oder möchtest du was anderes machen? Für mich war das gar keine große Frage. Ich wusste schon zur Schulzeit, dass ich im Familienbetrieb bleiben will.

Als Kind stellt man sich das Schausteller-Leben unheimlich spannend vor. Wie ist es, wenn man selbst damit aufwächst?

Wenn man damit aufwächst, ist es für einen selbstverständlich. Ist ja immer so. Auf Außenstehende kann das tatsächlich schon exotisch wirken. Aber es stimmt: Gerade als Kind hat das Geschäft viele schöne Seiten.

Wie ist es denn, wenn man unter anderen Kindern „ der Schausteller“ ist? Wird man damit automatisch zum Mittelpunkt?

Bei mir war es so, dass ich stetig in Fürth zur Schule gegangen bin. Meine Großeltern, auch Schausteller, waren da schon im Ruhestand. Also haben sie in der Sommerzeit, während meine Eltern unterwegs waren, auf mich aufgepasst. Ich hatte Klassenkameraden und Freunde, denen war es ziemlich egal. Aber zur Kirchweih schlugen sie immer auf, um ihren Michi, den „Drilli“, zu besuchen. Da steht man dann schon im Mittelpunkt.

Ihr aktuelles Riesenrad wurde 1985 gebaut. Warum gerade ein Riesenrad?

Aus Familientradition. Es gab vorher schon ein Riesenrad und andere Geschäfte. Meine Vorfahren mütterlicherseits waren auch Schausteller. Mein Urgroßvater hatte sechs Kinder. Jedes hat irgendwann eins dieser Geschäfte gekriegt. Das Riesenrad ging dann an den Jüngsten, meinen Großvater, der es fortgeführt hat. Über die Jahre hat es sich als gutes und stabiles Geschäft erwiesen. Es kommen zwar oft neue Geschäfte, die ein paar Jahre im Trend liegen, aber ein Riesenrad ist ein zeitloser Klassiker …

… und wahrscheinlich immer ein Blickfang?


Das ist das Nächste! Wenn man von weitem ein Riesenrad sieht, weiß man: Da ist ein Volksfest! So hat sich das Riesenrad als Symbol entwickelt. Damals, als einzelne Postämter noch ihre eigenen Poststempel hatten, war unser Riesenrad während der Kirchweih auf den Stempeln abgebildet.

Wie muss man sich die Entstehung eines Riesenrads vorstellen? Die gibt es sicher nicht vom Fließband?

Nein, nein. Riesenräder kommen nicht vom Fließband. Es gibt zwei Wege zum Riesenrad. Einer ist der, dass man ein bestimmtes Modell bei einem Hersteller bestellt. Das Grundmodell ist dann fix und wird nach den Kundenwünschen ausgestattet. Also Bemalung, Beleuchtung und diverse Extras.

Oder man macht es ganz individuell. Wie wir damals. Mein Vater eine gewisse Idee und wollte umsetzen. Gemeinsam mit einem Statik-Büro, das sich auf Riesenräder spezialisiert hat, entwickelte er die Pläne. Geprüft wurden diese dann vom TÜV oder bei uns in der Region von der LGA in Nürnberg. Danach brauchte er noch eine Firma, die das Ganze zusammenbaut. Mein Vater hat damals mit Popp Fahrzeugbau einen guten Partner in Nürnberg gefunden. Andere Firmen haben einzelne Teile zugeliefert. So entsteht ein Riesenrad.

Was sind Ihre persönlichen Highlights auf der Michaelis-Kirchweih?

Für Besucher sind oft das Feuerwerk oder der Festzug die Highlights. Für mich sind es kleinere Geschichten. Wir haben zum Beispiel eine Kundin, die schon 103 Jahre alt ist. Sie kommt seit 15 Jahren zu uns. Oft in Begleitung mit ihrem Sohn oder ihrem Betreuer. Die Frau ist ein echtes Fürther Original und sehr taff. Jedes Jahr handelt sie mit uns.

Ein anderer Kunde ist ein Vater, der während der Kirchweih fast täglich mit seinem behinderten Sohn zu uns kommt. Die beiden lassen wir auch immer vor, damit sie zügig an der Reihe sind. Oft plauschen wir dann noch ein paar Minuten und dann kann der Vater mit seinem Jungen fahren. Was heißt "Junge"... Mittlerweile ist er ein Mann, aber er kommt schon zu uns, seit er ein Kind war. Auf solche Kunden freuen wir uns immer. Das sind oft auch unsere emotionalen Höhepunkte der Kirchweih.